FAQ


HÄUFIG GESTELLTE FRAGEN


1. Was ist Cooperative Praxis?

2. In welchen Fällen wird Cooperative Praxis angewandt?

3. Welche Ziele können Sie im C. P.-Verfahren erreichen?

4. Was ist die Besonderheit dieses Verfahrens?

5. Wäre es nicht einfacher, die Anwälte beizubehalten, wenn die Verhandlungen nicht zu der gewünschten Einigung führen?

6. Warum macht man denn so einen großen Unterschied zwischen gerichtlichem Verfahren und außergerichtlichen Einigungsbemühungen?

7. Wird Ihr Vertrauen geschützt?

8. Wen beauftragen Sie?

9. Wie finden Sie Ihren Anwalt, Coach, Experten?

10. Was ist die besondere Rolle des Rechts und der Rechtsanwälte?

11. Was ist die besondere Rolle der Coaches?

12. Was ist die besondere Rolle der Experten?

13. Welche Kosten fallen an?

14. Was sind die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur Mediation?

15. Was ist die Geschichte von Cooperativer Praxis?

16. Wie ist Cooperative Praxis organisiert?



1. Was ist Cooperative Praxis?


Cooperative Praxis ist ein Konfliktbearbeitungsverfahren. Weltweit ist es bekannt unter collaborative practice/collaborative law.

Sie wählen Cooperative Praxis, wenn Ihnen an einer interessengerechten Einigung liegt. Sie können sich hierbei rechtlich, persönlich, emotional und in wirtschaftlicher Hinsicht unterstützen lassen, je nach konkretem Bedarf einzeln oder im Zusammenwirken miteinander:

  • durch Ihren Anwalt
  • durch Ihren Coach - oder einen gemeinsamen Coach
  • durch neutrale Experten

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2. In welchen Fällen wird Cooperative Praxis angewandt?


Vor allem in Fällen, in denen im Konfliktfall die Beziehungen eine herausragende Rollen spielen. Beispiele:

  • bei Familienstreitigkeiten, insbesondere bei Trennung und Scheidung
  • bei Erbstreitigkeiten
  • bei Konflikten zwischen Gesellschaftern usw.
  • überhaupt bei Konflikten im Wirtschaftsleben.

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3. Welche Ziele können Sie im C. P.-Verfahren erreichen?


Die professionelle Unterstützung hat vor allem zum Ziel, Ihnen und Ihrem Vertragspartner bei der Lösung von Konflikten einen sicheren Halt und einen geschützten Raum zu schaffen,

  • in dem Sie Ihre Interessen, Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle wahrnehmen und vertreten können
  • in dem Sie Ihre Potentiale für kreative Lösungen zur Geltung bringen können
  • in dem Kommunikationsformen entwickelt werden, um die Verhandlungen mit gegenseitigem Respekt und Kooperationswillen zu führen.

Auf dieser Grundlage wird ein faires Ergebnis angesteuert, das die wechselseitigen Interessen soweit als möglich einbindet und hierzu alle Ressourcen und Synergien ausschöpft.

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4. Was ist die Besonderheit dieses Verfahrens?


Ihnen und Ihrem Konfliktpartner ist daran gelegen, außergerichtlich zu einer Einigung zu kommen. Natürlich kann hierfür keine Garantie gegeben werden. Wenn jedoch alle dieses Ziel anstreben, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dieses Ziel zu erreichen. Deshalb ist die Beauftragung aller professionell Beteiligten auch nur auf dieses Ziel ausgerichtet. Das bewusste Zusammenwirken der beauftragten Fachleute geschieht in einer Haltung, die im Dienste Ihrer gemeinsamen selbstverantworteten Entscheidungsfindung steht.

Der Auftrag ist beendet, wenn dieses Ziel erreicht ist, aber auch dann, wenn klar ist, dass keine Einigung erzielt werden kann.
Deshalb vertritt Sie Ihr Anwalt auch nicht bei einem Scheitern der Verhandlungen vor Gericht. Das gleiche gilt für den Anwalt Ihres Konfliktpartners.

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5. Wäre es nicht einfacher, die Anwälte beizubehalten, wenn die Verhandlungen nicht zu der gewünschten Einigung führen?


Einfacher schon. Dies entspricht auch der üblichen Beauftragung eines Anwaltes. Der Nachteil liegt jedoch darin, dass das Verhalten des insoweit beauftragten Anwaltes darauf ausgerichtet ist, sich für ein mögliches gerichtliches Verfahren keine Blößen zu geben. Er muß sich „rechtspositionsfähig“ halten. Damit ist die ausschließliche Aufmerksamkeit auf eine Einigung nicht mehr gegeben. Die Verhandlungen werden im gegnerischen Sinne strategisch geführt. Es wird vielfach an einer Offenheit im Gespräch fehlen, die notwendig ist, um eine befriedigende Zukunftslösung zu erreichen.

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6. Warum macht man denn so einen großen Unterschied zwischen gerichtlichem Verfahren und außergerichtlichen Einigungsbemühungen?


Es liegt in der Natur dieser Verfahren und der notwendigen Abgrenzung voneinander:

Bei einem gerichtlichen Verfahren delegieren Sie die Entscheidung an den Richter und haben sie nicht mehr selbst in der Hand. Die Anwälte kämpfen um das Recht.

Bei den Verhandlungen im Rahmen Cooperativer Praxis sind es letztendlich Sie, die den Konflikt lösen. Damit Sie und Ihr Konfliktpartner gemeinsam zu einer selbstverantworteten Entscheidung finden, brauchen Sie alle dazu notwendigen Informationen. Diese müssen also offen gelegt werden. Und jetzt kommt der springende Punkt: Damit die in das Verfahren zur Konsensfindung eingebrachten und offen gelegten Tatsachen bei Scheitern der Verhandlungen in einem nicht ausschließbaren nachfolgenden Gerichtsverfahren nicht missbraucht werden, macht es für Sie und umgekehrt für Ihren Konfliktpartner auch deshalb Sinn, dass bei Scheitern der Einigungsbemühungen die Anwälte an einem gerichtlichen Verfahren nicht teilnehmen.

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7. Wird Ihr Vertrauen geschützt?


Ja. Nicht nur, dass die professionellen Beteiligten für das Gerichtsverfahren gesperrt sind. Darüber hinaus verpflichten sich alle, von ihrem gesetzlichen Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch zu machen. Aus demselben Zweck gehört es zum C.P.-Verfahren, sich gegenseitig zu verpflichten, die professionell Beteiligten nicht als Zeugen zu benennen.

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8. Wen beauftragen Sie?


Wer und in welcher Phase am Verfahren mitwirkt, richtet sich nach Ihren Bedürfnissen. Sie wählen sich aus dem Netzwerk entsprechend ausgebildeter Fachleute, wen Sie in welcher Phase des Verfahrens brauchen. Fachleute sind Anwälte, Coaches sowie Finanz- und Steuerspezialisten, bei Trennung und Scheidung zusätzlich Kinderspezialisten. Neben ihrer Ausbildung in ihren Grundberufen haben sie alle eine Ausbildung als Mediatoren und darüber hinaus eigens in Cooperativer Praxis. Sie sind also darin trainiert, im Dienste Ihrer selbstverantworteten Entscheidungsfindung bewusst zusammenzuwirken.
Alle professionell Beteiligten stehen als Ressource in Ihren Diensten. Welche Ressourcen Sie in Anspruch nehmen wollen, liegt an Ihnen.

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9. Wie finden Sie Ihren Anwalt, Coach, Experten?


Indem Sie auf dieser Website das Professionelles Netzwerk anklicken und sich unter den dort aufgeführten Personen aussuchen, wer Ihnen zusagt. All die dort aufgeführten Personen haben eine Mediationsausbildung und darüber hinaus eine Ausbildung in Cooperativer Praxis. Sie sind darin trainiert, von ihrer unterschiedlichen professionellen Aufgagenstellung her in Ihrem Interesse und in Unterstützung Ihrer Autonomie miteinander zu kooperieren.

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10. Was ist die besondere Rolle des Rechts und der Rechtsanwälte?


C. P. strebt einen informierten Konsens an. Dazu gehört die Kenntnis der Rechtslage. Sie müssen insbesondere wissen, welche rechtlichen Ansprüche Sie haben und auf welche Sie vielleicht verzichteten und was Sie stattdessen gewinnen würden. Die Kenntnis des Rechts ist auch deshalb notwendig, damit Sie im Falle einer Nichteinigung wissen, was Sie bei Gericht erwarten würde. Wenn dies für Sie ausreicht, ist das rechtliche Verfahren das richtige für Sie. Häufig sind die rechtlichen Lösungsvorschläge nicht ausreichend. Der Blick des Rechtes ist seiner Natur entsprechend verengend in die Vergangenheit gerichtet und zudem pauschalierend. Das Recht wird Ihre speziellen zukunftsorientierten Interessen häufig nur partiell abdecken können. Auf diese Interessen und Ihre Wünsche kommt es aber an. Wenn Sie eine maßgeschneiderte Lösung wollen, die alle Ressourcen und Synergien ausschöpft, braucht es ein Verfahren, in dem Ihre diesbezüglichen Ideen aufgefangen und realitätsgerecht umgesetzt werden können. Genau dies strebt Cooperative Praxis an.
Ihr Anwalt ist zunächst Ihr Anwalt: der Sie über die Rechtslage aufklärt. Darüber hinaus klärt er mit Ihnen ab, welche Interessen und Wünsche Sie haben und wie Sie diese realisieren können. Außerdem steht Ihr Anwalt im Dienste des Weges, zu
einem „guten Ende“ zu finden: Er wird mit seinem Kollegen gemeinsam herausfinden müssen, wie Sie und Ihr Konfliktpartner soweit als möglich mit Ihren Interessen und Wünschen zum Zuge kommen und Ihnen bei den entsprechenden Verhandlungen zur Seite stehen. Ihr Anwalt und der Anwalt Ihres Konfliktpartners setzen auftragsgemäß alles daran, daß Sie zu einer interessengerechten und fairen Vereinbarung finden, und nehmen zur Optimierung des Verfahrens auch unmittelbar Kontakt miteinander auf.

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11. Was ist die besondere Rolle der Coaches?


Konflikte sind häufig emotional belastet. Die Emotionen brauchen im Prozess ihren Ausdruck. Manchmal werden Sie Hilfe brauchen, um eine Schwelle zu überschreiten. Eine Schwelle, die Sie vielleicht gehindert hätte, eine Entscheidung zu treffen, die in Ihrem Zukunftsinteresse liegt. Dabei kann Ihnen ein Coach helfen. Er kann Sie dabei unterstützten, die eigenen Anliegen vertieft verstehen und sie in den Verhandlungen nach außen so zu vermitteln, dass auch Ihr Konfliktpartner Sie wirklich versteht. Die Coaches stehen Ihnen bei, den Prozess möglichst effektiv voranzutreiben und den gegenseitigen Respekt zu stärken.

Wie die Anwälte sind auch die Coaches als Mitglieder des professionellen Netzwerkes dafür zuständig, das Verfahren zu optimieren. Hierzu nehmen sie gegebenenfalls unmittelbaren Kontakt mit den Anwälten bzw. dem Coach des anderen Vertragspartners auf.

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12. Was ist die besondere Rolle der Experten?


Immer wieder kann es hilfreich sein, sich des Fachwissens der Experten zu bedienen. Alle Experten sind neutral und werden deshalb von beiden Konfliktparteien gemeinsam ausgesucht und bestellt.

Manchmal lohnt es sich, einen steuerlich bewanderten Finanzexperten beizuziehen, der besondere Kenntnisse in der Vermögensplanung mitbringt.

Wozu Kinderspezialisten? Kinderspezialisten werden manchmal bei Trennung und Scheidung benötigt. Kinder haben durch die Trennung ihrer Eltern einen Verlust zu bewältigen. Sie brauchen neben den Eltern oft Personen, bei denen sie sich in vollem Vertrauen aussprechen und über die sie ihre Befindlichkeit, ihre Sorgen und Wünsche in angemessener Weise in den Verhandlungsprozess der Eltern einbringen können. Während der Trennungssituation kann der Coach Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen, wie Sie am besten mit den Kindern umgehen. Im C.P.-Verfahren kann er den Kindern eine Stimme geben. Er steht den Kindern bei, wenn diese ihrem Alter entsprechend selbst zu Wort kommen. Sie können die Informationen des Kinderspezialisten nutzen, um zusammen mit den Coaches und gegebenenfalls auch den Anwälten zu einer nachhaltigen Betreuungsregelung zu kommen.
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13. Welche Kosten fallen an?


Anwälte, Coaches und Experten rechnen in der Regel nach Zeitaufwand ab. Sie haben damit die Kosten selbst mit in der Hand. Je gründlicher Sie vorbereitet sind, umso kostengünstiger wird das Verfahren für Sie sein. Entscheidend ist darüber hinaus, dass für Sie die Kosten immer transparent sind. Es fallen keine Kosten an, die nicht ausdrücklich mit Ihnen vereinbart sind. Die Anwälte sind gegebenenfalls berechtigt, auf der Basis von Prozesskostenhilfe abzurechnen. Die Kostenfrage wird gleich zu Beginn des Verfahrens geklärt. Bitte fragen Sie die individuellen Kosten nach. Gerne werden die Anwälte, Coaches oder Experten Ihnen Auskunft geben.

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14. Was sind die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur Mediation?


Mediation ist das ältere Verfahren. C. P. hat viel von der Mediation übernehmen können, so prinzipiell den Ablauf (Arbeitsbündnis, Bestandsaufnahme, Interessenerforschung, Einigung, vertragliche Gestaltung) und im Wesentlichen auch die Prinzipien (wie Freiwilligkeit, Offenlegung entscheidungserheblicher Tatsachen, Vertrauensschutz, Einbezug der Rolle des Rechtes usw.). Die Mediation hat damit vielfach zum Erfolg von C. P. beigetragen. Wenn Sie Mediation wählen, werden Sie von einem Mediator unterstützt. Wenn Sie C. P. wählen, zumindest von Ihrem Anwalt bzw. einem professionellen Netzwerk. Da alle C.P.-Fachkräfte auch in Mediation ausgebildet sind, bieten sich in manchen Fällen Verfahren an, die beides in sich integrieren, z. B. im Rahmen der Mediation die Beiziehung von Coaches oder die unmittelbare Einbeziehung von Anwälten.

Cooperative Praxis werden Sie dann vorziehen, wenn Sie an Ihrer Seite unmittelbar einen anwaltschaftlichen Fürsprecher brauchen oder einen Coach zur Bewältigung der emotionalen Situation. Oder insgesamt ein Netzwerk professionell aufeinander ausgerichteter Fachleute, z. B. weil die Situation aus Ihrer Sicht zu komplex ist. Oder Sie einen gesicherten Schutz und Halt für die Verhandlungen brauchen, weil Sie beispielsweise meinen, andernfalls emotional oder von der Sache her nicht genügend für sich einstehen zu können.

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15. Was ist die Geschichte von Cooperativer Praxis?


Mediation entstand in den westlichen Demokratien ab Mitte der 70er Jahre, in Deutschland wurde sie ab Ende der 80er Jahre heimisch.
Die ersten Anfänge von Cooperativer Praxis gehen in den USA in das Jahr 1990 zurück. Zeitweise beschränkte sich das Verfahren auf eine entsprechende Zusammenarbeit der Anwälte. Das ist heute weitgehend nirgends mehr der Fall, weil sich das interprofessionelle Zusammenwirken als ein besonderer Schatz dieses Verfahrens erwiesen hat. In München und Deutschland ist das Verfahren seit 2007 eingeführt. C.L. wurde als Vorläufer schon 2005 eingeführt.

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16. Wie ist Cooperative Praxis organisiert?


Cooperative Praxis ist weltweit stark im Vordringen. Organisatorisch findet dies seinen Ausdruck in der International Academy of Collaborative Professionals (IACP; www.collaborativepractice.com). In Deutschland haben wir Collaborative Practice bzw. Collaborative Law Cooperative Praxis benannt.

Häufig leben die Konfliktpartner in der gleichen Region. Deshalb ist die regionale interprofessionelle Vernetzung besonders wichtig. Die Münchner haben sich im Münchner Netzwerk für Cooperative Praxis zusammengeschlossen (Satzung des Münchner Netzwerkes). Um eine einheitliche Entwicklung in der Bundesrepublik zu initiieren, haben wir die Deutsche Vereinigung für Cooperative Praxis gegründet (Satzung der Deutschen Vereinigung für Cooperative Praxis).

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